39. Woche: Der rätselhafte und dunkle Gott – einfache Antworten gibt es - Hinführung zur Meditation

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39. Woche: Der rätselhafte und dunkle Gott – einfache Antworten gibt es

Von Woche zu Woche


Aber wie läßt sich der treue und entgegenkommende Gott, wie läßt sich Gottes Liebe zusammen bringen mit den schrecklichen Dingen, von denen wir Tag für Tag hören oder die manche von uns im eigenen Leben oder am eigenen Leibe erfahren?
Und wenn wir „in Gott", wenn wir im „Raum Gottes" sind in jedem Augenblick und in jeder Situation – gilt das auch, wenn Kinder verhungern, wenn Menschen gequält werden, wenn eine Naturkatastrophe über uns hereinbricht oder wenn Menschen von dem rasenden Schmerz einer Krebskrankheit zermürbt werden? Sind wir „in Gott" auch im Leid, auch in der Angst und im Schmerz?
Wir wagen auf solche Fragen kaum zu antworten. Soll Gott etwa etwas zu tun haben mit den Scheußlichkeiten und Schrecken, die Menschen erleiden oder anderen zufügen?
Sicherlich gibt es hier nicht einfache „Antworten" oder „Lösungen". Bei solchen Fragen sind wir wie auf den Mund und auf das Herz geschlagen. Wir können nur verstummen.
Vielleicht haben wir aber auch vergessen, daß Gott rätselhaft und erschreckend bleibt, ja, daß Gott auch eine dunkle Seite hat, die wir mit seiner Liebe nicht in Einklang bringen können. Luther hat noch davon sprechen können, daß Gott für uns immer auch ein verborgener Gott bleibt, daß er also immer unverständlich und manchmal auch erschreckend bleibt. Vielleicht reden wir zu selbstverständlich von der Liebe Gottes?!
So fremd uns solche Überlegungen sein mögen, sind sie nicht auch tröstlich? Denn hinter ihnen steht das Vertrauen, daß wir auch in den Schrecken und Dunkelheiten unseres Lebens und unser Zeit in Gott sind und bleiben.
Ich denke oft an Paul Gerhard, der seine vertrauensvollen Lieder in den Schrecken des dreißigjährigen Krieges gedichtet, gebetet und gesungen hat. In einer Zeit, in der weite Teile Deutschland verwüstet und ein großer Teil der Bevölkerung ermordet oder durch Hunger und Krankheit gestorben war, konnte er beten: „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt."
* Wie konnte er das? Vielleicht, weil er sich aufgehoben wußte im bergenden Raum Gottes – trotz allem.

      
Betrachtung:

Vielleicht haben wir vergessen, daß Gott rätselhaft und erschreckend bleibt, daß Gott auch eine dunkle Seite hat, die wir mit seiner Liebe nicht in Einklang bringen können.

Gebet:

Gott,
manchmal geschehen Dinge, die so schrecklich sind,
daß ich mein Vertrauen zu Dir verliere.
Manchmal ist das Leben so schmerzhaft und schrecklich,
daß auch Du schrecklich zu sein scheinst.
Manchmal erleiden Menschen Qualen,
daß jeder Gedanke an Dich,
daß jedes Wort von Dir verstummt.
Dann bin ich wie auf den Mund und auf das Herz geschlagen.
Dunkel und rätselhaft erscheinst Du mir,
ohne Liebe, ohne Treue.
Ich kann nur noch klagen und weinen.
Mein Gott,
und doch kann ich nicht von Dir lassen.
Trotz allem vertraue ich,
daß ich in Dir bin,
auch im Schmerz, auch in der tiefsten Dunkelheit.
Du bist in mir.
Ich bin in Dir – trotz allem. Amen.

Im Schweigen:

Mein Gott, mein Gott.
Oder: Finsternis ist nicht finster bei Dir.
Oder: Jehoschua.
Oder: Maranatha.

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*) Evangelisches Gesangbuch Nr. 361,1.



 
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